Sigrid Gartzke Rahn

Teetütentüten

Leergetrunken sind sie viel zu schade und zu schön zum Wegwerfen. Sie sind meine Tagebuchblätter in Farbe. Sie laden mich ein, den Abend in kleinen bunten Skizzen ausklingen zu lassen. Fast könnte man sagen, es sei meine Art zu meditieren. Da entsteht eine Engelschar, die dem vermarkteten Weihnachten nicht dienen will. Oder die Nachrichten des Tages verwandeln sich in Bilder. Oder ein Streit wird endlich nonverbal aufgearbeitet. Diese Tüten warten darauf, wieder gefüllt zu werden, auf ihre Wiedergeburt, ihr zweites Leben als Lade, als eine kleine Schatulle für die ganz geheimen Wünsche, eine Überraschung, ein Gedicht, eine Idee, eine Tagebuchnotiz.

Diese Tüten begleiten mich seit Jahren. Es ist meine Art des Recycelns, des gelben Punktes. Klar, mit einem leichten Augenzwinkern will ich auch aufmerksam machen, dass wir diese eine Welt, die wir haben, nicht verspielen und verkaufen dürfen. Lasst uns lieber: Abwarten und Tee trinken!